Bei der effektiven Methode rechnen Sie die Umsatzsteuer ab und ziehen die tatsächlich bezahlte Vorsteuer ab. Bei der Saldosteuersatzmethode multiplizieren Sie den Umsatz inklusive MWST mit einem Branchensatz, in dem die Vorsteuer pauschal berücksichtigt ist. Welche Methode besser passt, hängt vor allem von Ihren Vorsteuern, geplanten Investitionen und der Grösse des Betriebs ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Die effektive Methode ist der Grundsatz. Abgerechnet wird vierteljährlich (Art. 35 und 36 MWSTG).
- Saldosteuersätze sind möglich bis CHF 5'024'000.00 steuerbarem Umsatz und CHF 108'000.00 Steuer pro Jahr (Art. 37 Abs. 1 MWSTG). Abgerechnet wird halbjährlich.
- Für typische Tätigkeiten der Haustechnik liegen die Saldosteuersätze zwischen 3,7 und 5,3 Prozent.
- Saldosteuersätze gelten mindestens eine Steuerperiode. Wer sich für die effektive Methode entscheidet, kann frühestens nach drei Jahren wechseln.
- bexio unterstützt im automatischen MWST-Formular derzeit höchstens zwei Saldosteuersätze.
So funktionieren die beiden Methoden
| Merkmal | Effektive Methode | Saldosteuersatzmethode |
|---|---|---|
| Berechnung | Umsatzsteuer und Bezugsteuer minus Vorsteuer (Art. 36 MWSTG) | Umsatz inklusive MWST mal bewilligter Saldosteuersatz (Art. 37 Abs. 2 MWSTG) |
| Vorsteuer | wird belegt und einzeln abgezogen | ist im Satz eingerechnet, kein Abzug |
| Abrechnungsperiode | vierteljährlich, monatlich auf Antrag bei regelmässigem Vorsteuerüberschuss | halbjährlich |
| Voraussetzung | keine | Umsatz und Steuer unter den gesetzlichen Grenzen |
| Satz auf der Rechnung | gesetzlicher Satz | gesetzlicher Satz |
| Bezugsteuer | wird deklariert | wird zum gesetzlichen Satz deklariert |
Seit 2025 können Betriebe mit höchstens CHF 5'005'000.00 Umsatz aus steuerbaren Leistungen auf Antrag jährlich abrechnen (Art. 35 Abs. 1bis MWSTG). Das gilt unabhängig von der gewählten Methode.
Saldosteuersätze für Technik und Handwerk
Die ESTV legt die Saldosteuersätze in einer eigenen Verordnung fest, die seit dem 1. Januar 2025 gilt. Eine Auswahl:
| Tätigkeit laut Verordnung | Saldosteuersatz |
|---|---|
| Elektroinstallationsunternehmen | 4,5 % |
| Sanitäre Installationen: Lieferung mit Montage | 3,7 % |
| Heizungen / Lüftungen: Lieferung mit Montage | 3,7 % |
| Kälte-/Klimaanlagen: Lieferung mit Montage | 3,7 % |
| Klima-/Lüftungsanlagen: Service, Reinigung | 5,3 % |
| Öl-/Gasbrennerservice, inklusive Installationen | 4,5 % |
| Aufzüge: Service und Unterhalt | 5,3 % |
| Reparaturen aller Art, soweit nicht anderswo genannt | 4,5 % |
| Informatik: Dienstleistungen, soweit nicht anderswo genannt | 6,2 % |
Zwei Regeln sind wichtig. Erstens gelten Sätze für Herstellung nur, wenn das Material im Preis eingeschlossen ist. Für reine Montage- und Lohnarbeiten sieht die Verordnung eigene Sätze vor (Art. 1 Abs. 2). Zweitens bewilligt die ESTV seit 2025 für jede Tätigkeit mit mehr als 10 Prozent Anteil am steuerbaren Gesamtumsatz einen eigenen Satz (Art. 86 MWSTV). Die Anzahl der Sätze ist nicht mehr beschränkt. Die Erträge verbuchen Sie dann je Satz getrennt (Art. 84 Abs. 3 MWSTV).
Rechenbeispiel: Muster Haustechnik AG
Die Muster Haustechnik AG erzielt CHF 800'000.00 steuerbaren Umsatz ohne MWST, also CHF 864'800.00 inklusive 8,1 Prozent. Bewilligt ist der Satz für sanitäre Installationen von 3,7 Prozent.
- Saldosteuersatz: CHF 864'800.00 mal 3,7 Prozent ergibt CHF 31'997.60 Steuer.
- Effektive Methode: Umsatzsteuer von CHF 64'800.00 minus Vorsteuer.
Bei Vorsteuern von CHF 32'802.40 im Jahr führen beide Methoden zum gleichen Ergebnis. Liegen die Vorsteuern höher, etwa wegen eines neuen Servicefahrzeugs, ist die effektive Methode günstiger. Liegen sie tiefer, spart der Saldosteuersatz Steuer und Aufwand. Laut ESTV weicht die Steuerschuld längerfristig in der Regel nicht oder nur geringfügig ab, weil die Sätze auf der typischen Kostenstruktur der Branche beruhen.
Achten Sie auch auf die Steuergrenze. Bei einem Satz von 4,5 Prozent sind CHF 108'000.00 Steuer bereits bei CHF 2'400'000.00 Umsatz inklusive MWST erreicht.
Welche Methode passt?
Der Saldosteuersatz passt eher, wenn
- Ihre Kosten und Investitionen von Jahr zu Jahr ähnlich bleiben,
- keine grossen Anschaffungen geplant sind,
- Sie den Aufwand für die Prüfung jeder Vorsteuer sparen wollen.
Die effektive Methode passt eher, wenn
- grosse Investitionen anstehen, etwa Fahrzeuge, Maschinen oder ein Umbau,
- regelmässig Vorsteuerüberschüsse entstehen, zum Beispiel durch Exporte,
- Ihr Umsatz in die Nähe der Grenzen wächst.
Laut KMU-Portal des Bundes rechnet rund ein Drittel aller Schweizer KMU mit Saldosteuersätzen ab. Rechnen Sie beide Varianten mit Ihren eigenen Zahlen durch, bevor Sie entscheiden. Als Grundlage dienen die Vorsteuern der letzten Abrechnungen, getrennt nach Material und Dienstleistungen (Ziffer 400) sowie Investitionen und übrigem Betriebsaufwand (Ziffer 405). Dazu addieren Sie die Vorsteuer auf den Anschaffungen, die Sie in den nächsten Jahren planen. Erst dieser Blick nach vorne zeigt, ob sich die Bindung an eine Methode lohnt.
Wechsel, Fristen und Einstellungen in bexio
- Neu steuerpflichtig: Wer Saldosteuersätze will, meldet dies innert 60 Tagen nach Zustellung der MWST-Nummer. Sonst gilt die effektive Methode für mindestens drei ganze Steuerperioden (Art. 78 MWSTV).
- Von effektiv zu Saldosteuersatz: frühestens nach drei Jahren (Art. 37 Abs. 4 MWSTG), Meldung bis 60 Tage nach Beginn der Steuerperiode. Früher abgezogene Vorsteuer auf dem Zeitwert ist zurückzuzahlen (Art. 79 MWSTV).
- Von Saldosteuersatz zu effektiv: nach mindestens einer Steuerperiode, ebenfalls mit Meldung innert 60 Tagen. Die Steuer auf dem Zeitwert ist dann als Vorsteuer abziehbar. Wer die Grenzen in drei aufeinanderfolgenden Steuerperioden überschreitet, muss wechseln (Art. 81 MWSTV).
Den Antrag stellen Sie im ESTV-Portal. In bexio legen Sie die Methode in den Grundeinstellungen Mehrwertsteuer je Steuerperiode fest. Ein Wechsel ist dort nur möglich, solange im betreffenden Geschäftsjahr keine Buchungen bestehen. Für Rechnungen, die erst nach dem Wechsel bezahlt werden, ordnen Sie alte und neue Sätze in der Steuersatzzuordnung einander zu. Brauchen Sie mehr als zwei Saldosteuersätze, berechnen Sie die zusätzlichen Beträge laut bexio-Hilfe manuell über das Journal und deklarieren sie direkt im ESTV-Portal.
Häufige Fragen
Welchen Satz schreibe ich bei Saldosteuersätzen auf die Rechnung?
Den gesetzlichen Satz, für Handwerksleistungen in der Regel 8,1 Prozent. Der Saldosteuersatz erscheint nie auf der Rechnung. Die Sätze im Überblick finden Sie unter MWST-Sätze in der Schweiz.
Muss ich mit Saldosteuersätzen auch Bezugsteuer abrechnen?
Ja. Beziehen Sie Dienstleistungen von Firmen im Ausland, deklarieren Sie die Bezugsteuer zum gesetzlichen Satz.
Wer hilft bei der Entscheidung?
Ihr Treuhänder kann beide Varianten mit Ihren Zahlen vergleichen. Wie die Zusammenarbeit in bexio gelingt, zeigt Zusammenarbeit mit dem Treuhänder in bexio. Die laufende Abrechnung beschreibt MWST-Abrechnung mit bexio vorbereiten.
Fazit
Saldosteuersätze sparen Aufwand und passen zu Betrieben mit stabiler Kostenstruktur. Bei hohen Investitionen oder Vorsteuerüberschüssen ist die effektive Methode meist im Vorteil. Weil ein Wechsel an Fristen gebunden ist, lohnt sich die Rechnung mit eigenen Zahlen vor dem Entscheid.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Quellen
- Saldosteuersätze und Pauschalsteuersätze bei der Mehrwertsteuer ESTV
- Mwst-Webpublikationen ESTV
- SR 641.20, Mehrwertsteuergesetz, MWSTG Fedlex
- SR 641.201, MWSTV Fedlex
- SR 641.202.62 - Verordnung der ESTV vom 5. September 2024 über die Höhe der Saldosteuersätze nach Branchen und Tätigkeiten Fedlex
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Stand: Oktober 2026. bexio ist eine Marke der bexio AG, efatto ist unabhängig.